Blog 47 | Überschussliquidität: wie gehe ich als KMU damit um, wenn zuviel Geld da ist?

Schweizer KMU sind kapital­stark — viele Firmen halten viel Cash. Soviel Cash, wie sie als Firma eigentlich gar nicht benötigen — man spricht dann von Überschuss­li­qui­dität (sog. Excess Cash). Das kann sowohl für die Firma wie auch für die Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer spürbare Nachteile haben. Wir zeigen auf, was Unternehmer:innen bedenken sollten, um nicht in die Cash-Falle zu tappen. 

KMU in der Schweiz sind kapital­stark und resilient gegen Krisen. Im Jahr 2021, während der Corona-Krise, waren laut einer Studie 37% der befragten KMU vollständig eigen­fi­nan­ziert. Das ist eine hohe Quote: fast vier von 10 KMU bringen ihr ganzes Geld selbst auf, ohne sich Geld von Banken (Kredite) oder Investoren (wie Aktionäre oder Investoren) zu leihen. Die Firma ist dadurch resilient in Krisen­zeiten und hat die volle Kontrolle über ihre finan­zi­ellen Entschei­dungen. Im Jahr 2016 war der Anteil der Unter­nehmen, die keinerlei Kredite beansprucht haben, sogar 62%. 

Viele Inhaber:innen erfolg­reicher Unter­nehmen beziehen die Firmen­ge­winne nicht, sondern lassen sie im Unter­nehmen stehen. Als Folge steigt die zur Verfügung stehende Liqui­dität und die Firma wird “schwer”. Auf den ersten Blick kann es als Vorteil beuer­teilt werden, ein möglichst dickes Liqui­di­täts­polster in der Unter­nehmung zu halten. Aus langfri­stiger Optik entstehen daraus jedoch Nachteile: man verschenkt Rendite, erschwert die Nachfolge und geht das Risiko für eine hohe Steuer­be­la­stung ein.

Liquidität ist nicht gleich Liquidität 

Bei der Beurteilung der Frage, wieviel Liqui­dität ein Unter­nehmen benötigt, kann die Unter­teilung in Liqui­di­täts­ka­te­gorien helfen. 

  • Die operative Liqui­dität ist nötig, damit die Unter­nehmung jederzeit ihren kurzfri­stigen Verbind­lich­keiten frist­ge­recht nachkommen kann.
  • Die strate­gische Liqui­dität dient der Finan­zierung der mittel­fri­stigen strate­gi­schen Planung, beispiels­weise für Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen.
  • Bei der Wohlfühl­li­qui­dität handelt es sich um ein Sicher­heits­polster an Geld, welches nur in unvor­her­ge­se­henen Krisen­zeiten benötigt wird.
  • Die Überschuss-Liqui­dität benötigt das Unter­nehmen nicht, weder jetzt noch in Zukunft.
Abb. 01: Verschiedene Arten von Liqui­dität (Quelle: ZKB)

Überschuss-Liqui­dität ist aus betrieb­licher Sicht eine unnötige Liqui­dität. Das Kapital liegt zudem oft praktisch unver­zinst auf dem Firmen­konto und erwirt­schaftet damit auch keine genügende Rendite. 

Überschuss-Liqui­dität wird nicht für den unter­neh­me­ri­schen Zweck benötigt. Es ist Geld, das eigentlich nur rumliegt und keinen Nutzen stiftet.

Marc Maurer, Leiter Unter­nehmens­nach­folge ZKB

Inhaber:innen von KMU halten oft eine hohe Überschuss-Liqui­dität und es existiert keine Strategie in Bezug auf die Gewinn­ent­nahme. Viele Unternehmer:innen machen das bewusst, weil sie unabhängig sein wollen von externen Kapital­gebern und weil sie Investi­ti­ons­ent­scheide schnell und flexibel fällen wollen. Die Auszahlung der Unter­neh­mens­ge­winne bis Eigen­tü­mer­stufe wäre ausserdem mit unlieb­samen Steuer­zah­lungen verbunden.

Vermögen langfristig planen

Wenn ein Betrieb hohe nicht betriebs­not­wendige Vermö­gens­werte besitzt, sei es beispiels­weise Überschuss-Liqui­dität oder Nicht­be­triebs-Liegen­schaften, wird dies späte­stens beim Firmen­verkauf zum Problem. Käufer:innen wollen in der Regel keine aus betrieb­licher Sicht unnötige Vermö­gens­werte kaufen. Die Verkäufer:innen sind zum Heraus­lösen dieser Vermö­gens­werte gezwungen und das oft unter Zeitdruck. Die Folge davon ist meistens eine hohe Steuer­be­la­stung für die Verkäuferpartei.

Eine schlanke Firma zu haben, ist auch für den Nachfol­ge­prozess besser. Niemand will unnötigen Cash kaufen.

Marc Maurer, Leiter Unter­nehmens­nach­folge ZKB

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Vermö­gens­ver­teilung aus Sicht der Unternehmer:innen oft dominiert wird durch privat gehaltene Liegen­schaften und den Wert der eigenen Firma. Auch dies kann zum Problem werden, zum Beispiel wenn die Firma später innerhalb der Familie verschenkt und der Erbvor­bezug innerhalb der Familie ausge­glichen werden soll. Auch deshalb ist es wichtig, die Vermö­gens­ver­teilung frühzeitig zu analy­sieren und neben den erwähnten Vermö­gens­werten das Vorsorge- oder Famili­en­ver­mögen in der Planung zu berücksichtigen.

Strukturiert vorgehen und Steuern optimieren

Für Unternehmer:innen ist es wichtig, bei diesem Thema struk­tu­riert vorzu­gehen und sich folgende Fragen zu stellen:

  1. Wie hoch ist der Betrag der Überschuss­li­qui­dität und wo werden die Mittel langfristig gesehen benötigt?
  2. Wie hoch fallen bei einer Ausschüttung, z.B. als Dividende, die Steuern aus und welche Möglich­keiten zur Steuer­op­ti­mierung gibt es?
  3. Wie soll die künftige Lohn- und Dividen­den­po­litik aussehen, damit das Unter­nehmen auch in Zukunft die nötigen Mittel zur Verfügung hat, aber schlank bleibt?
  4. Wie sollen die aus der Firma bezogenen Mittel investiert werden?

Je nach Ausgangslage und Komple­xität macht es Sinn, sich als Unternehmer:in von einer Expertin oder einem Experten beraten zu lassen.

Beispiel für eine steuer­op­ti­mierte Ausschüttung:

Frau A ist Inhaberin der KMU AG. Diese verfügt im Betrieb über Überschuss-Liqui­dität von CHF 1’000’000. Eine Auszahlung mittels Dividende hätte für Frau A. eine Steuer­folge von CHF 229’000.

Nach einer sorgfäl­tigen Analyse entscheidet sich Frau A, eine Dividende von CHF 1’000’000 zu beziehen und davon sofort einen Betrag von CHF 500’000 in ihre Pensi­ons­kasse einzu­zahlen. Durch den Pensi­ons­kas­sen­einkauf sinkt die Steuerlast auf CHF 76’000 und Frau A. kann so CHF 153’000 Steuern einsparen.

Abb. 02: Steuer­op­ti­mierte Ausschüttung (Quelle: ZKB)

Fazit

Zusam­men­fassend kann festge­halten werden, dass es nicht sinnvoll ist, zu viele liquiden Mittel im Betrieb zu halten. Diese Mittel sind nicht optimal investiert, sie machen die Firma schwer und erschweren dadurch später die Nachfol­ge­re­gelung. Denn wenn das Unter­nehmen nicht betriebs­not­wendige Mittel hält, wird der Verkauf der Firma schwie­riger sein, weil der neue Käufer entweder sehr viel eigenes Geld mitbringen oder eine externe Finan­zierung aufnehmen muss. 

Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer, welche Überschuss-Liqui­dität gezielt abbauen, verbessern nicht nur die Ausgangslage für den späteren Unter­neh­mens­verkauf und damit für die Nachfol­ge­re­gelung, sie optimieren auch ihre steuer­liche Situation und sichern sich die Finan­zierung des dritten Lebensabschnitts. 

Mehr zum Thema

Auf unserer Plattform finden Sie weiter­füh­rende Unter­lagen rund um die verschie­denen Nachfol­ge­op­tionen und weshalb es so relevant ist, in Szenarien zu denken und zu handeln:

Im Download-Center stellen wir Ihnen diverse Unter­lagen und Arbeits­blätter kostenlos zur Verfügung. Mehr zum Thema Trans­ak­ti­ons­kosten und Finan­zierung finden Sie in unserem Themenbereich.

ÜBER MARC MAURER

Marc Maurer ist Leiter Unter­nehmens­nach­folge bei der Zürcher Kanto­nalbank. Zusammen mit seinem Team begleitet er Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer im ganzen Prozess der Firmen­nach­folge und erarbeitet für die Käufer indivi­duelle Finan­zie­rungs­lö­sungen für eine erfolg­reiche KMU Nachfolge. Daneben ist Marc Maurer als Dozent in der Weiter­bildung tätig und kennt als Stiftungsrat einer grösseren Zürcher Stiftung die Themen gut, die KMUs jeden Tag bewegen.

Quellen­angabe: Studie zur Finan­zierung der KMU in der Schweiz 2021, Institut für Finanz­dienst­lei­stungen Zug IFZ, November 2021, Seite 25 f.
Fotonachweis: Shutter­stock | Abbil­dungen: Zürcher Kantonalbank

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