Schweizer KMU sind kapitalstark — viele Firmen halten viel Cash. Soviel Cash, wie sie als Firma eigentlich gar nicht benötigen — man spricht dann von Überschussliquidität (sog. Excess Cash). Das kann sowohl für die Firma wie auch für die Unternehmerinnen und Unternehmer spürbare Nachteile haben. Wir zeigen auf, was Unternehmer:innen bedenken sollten, um nicht in die Cash-Falle zu tappen.
KMU in der Schweiz sind kapitalstark und resilient gegen Krisen. Im Jahr 2021, während der Corona-Krise, waren laut einer Studie 37% der befragten KMU vollständig eigenfinanziert. Das ist eine hohe Quote: fast vier von 10 KMU bringen ihr ganzes Geld selbst auf, ohne sich Geld von Banken (Kredite) oder Investoren (wie Aktionäre oder Investoren) zu leihen. Die Firma ist dadurch resilient in Krisenzeiten und hat die volle Kontrolle über ihre finanziellen Entscheidungen. Im Jahr 2016 war der Anteil der Unternehmen, die keinerlei Kredite beansprucht haben, sogar 62%.
Viele Inhaber:innen erfolgreicher Unternehmen beziehen die Firmengewinne nicht, sondern lassen sie im Unternehmen stehen. Als Folge steigt die zur Verfügung stehende Liquidität und die Firma wird “schwer”. Auf den ersten Blick kann es als Vorteil beuerteilt werden, ein möglichst dickes Liquiditätspolster in der Unternehmung zu halten. Aus langfristiger Optik entstehen daraus jedoch Nachteile: man verschenkt Rendite, erschwert die Nachfolge und geht das Risiko für eine hohe Steuerbelastung ein.
Liquidität ist nicht gleich Liquidität
Bei der Beurteilung der Frage, wieviel Liquidität ein Unternehmen benötigt, kann die Unterteilung in Liquiditätskategorien helfen.
- Die operative Liquidität ist nötig, damit die Unternehmung jederzeit ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten fristgerecht nachkommen kann.
- Die strategische Liquidität dient der Finanzierung der mittelfristigen strategischen Planung, beispielsweise für Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen.
- Bei der Wohlfühlliquidität handelt es sich um ein Sicherheitspolster an Geld, welches nur in unvorhergesehenen Krisenzeiten benötigt wird.
- Die Überschuss-Liquidität benötigt das Unternehmen nicht, weder jetzt noch in Zukunft.
Überschuss-Liquidität ist aus betrieblicher Sicht eine unnötige Liquidität. Das Kapital liegt zudem oft praktisch unverzinst auf dem Firmenkonto und erwirtschaftet damit auch keine genügende Rendite.
Überschuss-Liquidität wird nicht für den unternehmerischen Zweck benötigt. Es ist Geld, das eigentlich nur rumliegt und keinen Nutzen stiftet.
Marc Maurer, Leiter Unternehmensnachfolge ZKB
Inhaber:innen von KMU halten oft eine hohe Überschuss-Liquidität und es existiert keine Strategie in Bezug auf die Gewinnentnahme. Viele Unternehmer:innen machen das bewusst, weil sie unabhängig sein wollen von externen Kapitalgebern und weil sie Investitionsentscheide schnell und flexibel fällen wollen. Die Auszahlung der Unternehmensgewinne bis Eigentümerstufe wäre ausserdem mit unliebsamen Steuerzahlungen verbunden.
Vermögen langfristig planen
Wenn ein Betrieb hohe nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte besitzt, sei es beispielsweise Überschuss-Liquidität oder Nichtbetriebs-Liegenschaften, wird dies spätestens beim Firmenverkauf zum Problem. Käufer:innen wollen in der Regel keine aus betrieblicher Sicht unnötige Vermögenswerte kaufen. Die Verkäufer:innen sind zum Herauslösen dieser Vermögenswerte gezwungen und das oft unter Zeitdruck. Die Folge davon ist meistens eine hohe Steuerbelastung für die Verkäuferpartei.
Eine schlanke Firma zu haben, ist auch für den Nachfolgeprozess besser. Niemand will unnötigen Cash kaufen.
Marc Maurer, Leiter Unternehmensnachfolge ZKB
Ein weiterer Aspekt ist, dass die Vermögensverteilung aus Sicht der Unternehmer:innen oft dominiert wird durch privat gehaltene Liegenschaften und den Wert der eigenen Firma. Auch dies kann zum Problem werden, zum Beispiel wenn die Firma später innerhalb der Familie verschenkt und der Erbvorbezug innerhalb der Familie ausgeglichen werden soll. Auch deshalb ist es wichtig, die Vermögensverteilung frühzeitig zu analysieren und neben den erwähnten Vermögenswerten das Vorsorge- oder Familienvermögen in der Planung zu berücksichtigen.
Strukturiert vorgehen und Steuern optimieren
Für Unternehmer:innen ist es wichtig, bei diesem Thema strukturiert vorzugehen und sich folgende Fragen zu stellen:
- Wie hoch ist der Betrag der Überschussliquidität und wo werden die Mittel langfristig gesehen benötigt?
- Wie hoch fallen bei einer Ausschüttung, z.B. als Dividende, die Steuern aus und welche Möglichkeiten zur Steueroptimierung gibt es?
- Wie soll die künftige Lohn- und Dividendenpolitik aussehen, damit das Unternehmen auch in Zukunft die nötigen Mittel zur Verfügung hat, aber schlank bleibt?
- Wie sollen die aus der Firma bezogenen Mittel investiert werden?
Je nach Ausgangslage und Komplexität macht es Sinn, sich als Unternehmer:in von einer Expertin oder einem Experten beraten zu lassen.
Beispiel für eine steueroptimierte Ausschüttung:
Frau A ist Inhaberin der KMU AG. Diese verfügt im Betrieb über Überschuss-Liquidität von CHF 1’000’000. Eine Auszahlung mittels Dividende hätte für Frau A. eine Steuerfolge von CHF 229’000.
Nach einer sorgfältigen Analyse entscheidet sich Frau A, eine Dividende von CHF 1’000’000 zu beziehen und davon sofort einen Betrag von CHF 500’000 in ihre Pensionskasse einzuzahlen. Durch den Pensionskasseneinkauf sinkt die Steuerlast auf CHF 76’000 und Frau A. kann so CHF 153’000 Steuern einsparen.
Fazit
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es nicht sinnvoll ist, zu viele liquiden Mittel im Betrieb zu halten. Diese Mittel sind nicht optimal investiert, sie machen die Firma schwer und erschweren dadurch später die Nachfolgeregelung. Denn wenn das Unternehmen nicht betriebsnotwendige Mittel hält, wird der Verkauf der Firma schwieriger sein, weil der neue Käufer entweder sehr viel eigenes Geld mitbringen oder eine externe Finanzierung aufnehmen muss.
Unternehmerinnen und Unternehmer, welche Überschuss-Liquidität gezielt abbauen, verbessern nicht nur die Ausgangslage für den späteren Unternehmensverkauf und damit für die Nachfolgeregelung, sie optimieren auch ihre steuerliche Situation und sichern sich die Finanzierung des dritten Lebensabschnitts.
Auf unserer Plattform finden Sie weiterführende Unterlagen rund um die verschiedenen Nachfolgeoptionen und weshalb es so relevant ist, in Szenarien zu denken und zu handeln:
- Als schlanke Firma in die Nachfolge: Marc Maurer im Gespräch
- Unser Dossier zu “KMU Nachfolge und die Finanzierung” (Schrift 09)
- Möglichkeiten der Finanzierung: Daniele Ruggeri im Gespräch
Im Download-Center stellen wir Ihnen diverse Unterlagen und Arbeitsblätter kostenlos zur Verfügung. Mehr zum Thema Transaktionskosten und Finanzierung finden Sie in unserem Themenbereich.
ÜBER MARC MAURER
Marc Maurer ist Leiter Unternehmensnachfolge bei der Zürcher Kantonalbank. Zusammen mit seinem Team begleitet er Unternehmerinnen und Unternehmer im ganzen Prozess der Firmennachfolge und erarbeitet für die Käufer individuelle Finanzierungslösungen für eine erfolgreiche KMU Nachfolge. Daneben ist Marc Maurer als Dozent in der Weiterbildung tätig und kennt als Stiftungsrat einer grösseren Zürcher Stiftung die Themen gut, die KMUs jeden Tag bewegen.
Quellenangabe: Studie zur Finanzierung der KMU in der Schweiz 2021, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ, November 2021, Seite 25 f.
Fotonachweis: Shutterstock | Abbildungen: Zürcher Kantonalbank